Schwadronier net so daggelich rôm !

28 04 2008

Ich habe mir gesagt: „Wenn du jetzt kurz was schreibst, bekommst du auch deine Schokokuchen-Backmischung.“ Nur damit wir uns richtig verstehen: Ich will natürlich keinen Kuchen backen. Nein, meine neuste Erfindung sieht vor, dass ich den Teig anrühre, aber nur solang in den Ofen schiebe, dass erstens das blöde Backpulver draussen ist, von dem man Bauchschmerzen bekommt und zweitens schmeckt warmer Schokokuchenteig mit Kruste auch noch besser! Ha! Ich habe nur das Problem, dass ich losgehen und es kaufen muss.

Ich bin froh, dass es diese Hürde gibt, sonst würde ich jeden Tag Schokolade essen. Trotz allem. Trotz konsequenter gesunder Ernährung. Trotz einstündigem Joggen gestern und trotz tausender Artikel, in denen steht, dass Schokolade dick (und damit unglücklich) und schlechte Haut macht (und damit unglücklich) und besonders bei mir nervliche Kapriolen auslöst (die meine Umwelt ertragen muss, was auf Dauer auf mich zurückfällt und unglücklich macht). Egal. Dass ich mich selbst erpresse, um Dinge zu erledigen, finde ich übrigens normal. Ich meine, wer muss sich selbst nicht jedes Mal überzeugend sagen: „Iss es, das ist gesund und lecker!“ wenn er Obstsalat vor sich hat, aber auf den Pudding schielt? Eigentlich bin ich die ganze Zeit am Verhandeln mit mir selbst. Der Nachteil ist, dass man schlecht verhandeln kann, wenn es darum geht ein „guter Mensch“ zu sein. Entweder man zieht es durch oder nicht. Fast wie Fenster-putzen. Ein Fenster zählt nicht.

Wie dem auch sei, ich merke selbst, dass ich etwas plaudernd werde. Daher die Überschrift, die meine verborgene Sympathie für schwäbische Flüche zum Ausdruck bringen soll. Zu allem Überfluss (Achtung Wortspiel) hat es gerade angefangen zu regnen. Ich korrigiere: Zu schütten. Vielleicht bleibe ich doch schlank und glücklich. Eine Anmerkung sei mir erlaubt:

„Hemmel Herrgoddsagrament leck me am Arsch Scheißglômb verreggds!!“

Und weil ihr euch genauso wie ich so schön bis nach unten durchgequält habt, habe ich hier auch etwas für euch – fast so schön wie Schokolade:
Jedes Jahr wird der Ig-Nobelpreis verliehen (von engl.: ignoble), auch der „Anti-Nobelpreis“ von manchen genannt. Dieses Jahr beeindruckte mich besonders die kreative Leistung der Kategorie Linguistik. Ich zitiere Wikipedia:

„Der Preis ging an ein Team der Universität von Barcelona dafür, dass sie zeigten, dass Ratten unfähig sind, eine Person, die japanisch rückwärts spricht von einer Person zu unterscheiden, welche niederländisch rückwärts spricht.“

Was wohl ein Schwabe dazu sagen würde?

„Heiligsblechle! Wenn Du so lang wärsch wia bleed, nô könnsch dr Mond am Arsch lecka!“


Trennung

26 04 2008

„Das mit uns beiden“, nochmal holte sie Luft, „das wird nichts. Keine Zukunft.“ „Du weißt, irgendwann müssen wir uns alle weiterentwickeln, einen Schritt weitergehen. Ich muss das jetzt tun.“ Das sagt sie sogar unter Tränen. „Bitte“, „Bitte verzeih mir“. Sie schweigt traurig mit niedergeschlagenen, nassen Wimpern. Leise streichelt sie mir nochmal durchs Haar. „Ich meine, was sollen sie denn denken, wenn sie dich morgens in meinem Bett finden? Sie würden es nie verstehen!“
Dabei fand sie mich damals so toll, dass sie mich unbedingt haben wollte. Ich weiß noch genau, wie glücklich wir damals waren, als sie mich das erste Mal in die Arme schloß.

Nun ein letzter Blick und der Karton schließt sich über mir. Wie alles Spielzeug muss ich auf den Dachboden.


Hilfe, mein Laptop ist Stier!

24 04 2008

Der StierNach mehr als einem Monat qualvollen Wartens habe ich jetzt einen neuen Laptop. Ich habe mich riesig gefreut, entsprechend seinen Ausmaßen. Ja, er ist nicht der kleinste. Alle neuen Funktionen habe ich ausprobiert und im Web gesurft, als hätte ich noch nie die Freuden des Onlinezeitalters gekostet. Doch mehr und mehr schlichen sich die ersten Dämpfer ein. Ungewöhnlich lange Ladezeiten. Ein sehr schickes Layout, das aber leider sehr schwer bedienbar ist. Mir kam ein Verdacht: Ist mein Laptop etwa ein Stier?

Ich habe nochmal nachgeschaut: Ja, diese Zeit gehört den Taunus-Kindern. Bleibt nur noch eine einzige Frage: Kann ein Laptop an sich einem bestimmten Sternzeichen angehören? Ist die Macht der Astrologie so groß, dass sie sogar der Technik Charaktereigenschaften abgewinnen kann?

Ich für mich habe diese Frage mit einem ja beantwortet. Ich kenne einige Stier-Geborene und möchte nicht allen grundsätzlich bestimmte Eigenschaften zusprechen, aber es gibt doch auffällige Gemeinsamkeiten!

Ein Stier geht nicht frohlockend auf Veränderungen zu. Er mag es eher nach Plan und gesichert. So auch mein Laptop. Er traut mir nichts zu und fragt mich lieber dreimal, ob ich das auch WIRKLICH machen möchte.

Wenn Stiere etwas tun, so machen sie es gründlich, was mitunter länger dauern kann, aber dafür besser ausieht. (Das sind die Kinder, die wirklich IMMER entlang der Linie ausgeschnitten haben.) Sie legen nämlich viel Wert auf das Schöne im Leben. Schließlich ist der regierende Planet die Venus. Brauche ich noch groß auf meinen Laptop hinzuweisen?

Und das dritte große Merkmal: Das Mit-dem-Kopf-durch-die Wand-Syndrom. Haben sich Stiere nämlich festgelegt und auf einen Wandel eingelassen, lassen sie nicht locker – koste es, was es wolle. Sie sind wie die Helden im Film. Selbst nachdem sie von einem Auto überfahren, in die empfindlichsten Körperteile getreten worden sind und nur noch am Ringfinger vom Rand der Klippe hängen, denken sie: „Ha! War das schon alles? Denkst du etwa ich gebe jetzt schon auf?!“. Das ist mein Laptop.

Ob das die besten Eigenschaften für einen Laptop sind? Ich habe da so meine Zweifel, aber ich setze auf eine weitere Seite des Stiers: Die tiefe Treue. Vielleicht gewöhnt sich der Laptop irgendwann an mich und kämpft dann gegen die bockigen Programme. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg der gemeinsamen Gewöhnung.


Reportage

23 04 2008

Das Schleichen ums Buchregal

Warum eine Buchhandlung der beste Ort ist, um zu beobachten, wie die Gesellschaft wirklich mit Sex umgeht.

In tiefer Konzentration blättert sie zur nächsten Seite und liest weiter. Plötzlich spürt sie eine Bewegung. Hastig klappt sie das Buch zu, schiebt es unauffällig unter den großen Stapel Kochbücher und schaut auf. Eine Buchhändlerin läuft an ihr vorbei.

Sex gilt in unserer Gesellschaft als ein offenes Thema. Es ist völlig normal Sex zu haben, und völlig normal, dass das jeder von uns weiß. Sogar der Buchhändler. Zwischen den Buchregalen entdeckt man jedoch Spuren, die ein anderes Bild von uns zeichnen.

Das versteckte Buch vom Anfang ist eines von vielen Sexratgebern. Mit Titeln wie „Orgasmus XXL“, „Millionen Frauen warten auf dich“ oder „Die perfekte Liebhaberin“ findet man sie entweder in der Abteilung Partnerschaft oder Wellness, wo sie mitunter die Hälfte des Buchbestandes ausmachen. Erotik schreibt keiner auf die großen Leitschilder. Auch auf Augenhöhe findet man solche Bücher nicht. Die Buchtitel wecken die Neugier, doch das riesige Format und das eindeutige Layout scheinen die Blicke der gesamten Buchhandlung auf sich zu ziehen. Vor allem, da in den modernen Buchhandlungen das Konzept des totalen Durchblicks praktiziert wird. Vorbei sind die Zeiten, als man eben mal unauffällig stöbern konnte. In den neuen Buchhandlungen soll man die Weite des freien Geistes spüren. Die verglaste Verkaufsfront erlaubt einen Blick bis in die letzte Ecke. Doch dafür bietet die freundlich moderne Buchhandlung runde Sitzgruppen, die von allen Seiten gut einsehbar sind. Meistens sitzt eine Beraterin sogar in der Nähe.

Das Eichhörnchenprinzip
Kein Wunder also, dass Erotikbücher von weniger freizügigen Lesern immer wieder in andere Abteilungen verschleppt und dort untergeschoben werden. Eine Art Eichhörchnchenprinzip, dass eine Buchhändlerin besonders verzweifeln lässt. „Die Kunden stecken die Bücher einfach an anderer Stelle ganz hinten rein.“ Im Gegensatz zu den meisten Büchern, die ganz offen an die falsche Stelle gelegt werden. Deswegen überprüft Sie täglich ihre Abteilung, um die verirrten Bücher wieder einzusammeln. Man kann nur mutmaßen, wie es zu solch einer Situation kommt: Gelangweilte Ehemänner auf dem Weg zur Sportabteilung? Sprachstudenten, die die ruhige Wörterbuchabteilung dem ungeschützten Erotikregal vorziehen?

Ganz offen dagegen scheint die jüngere Generation mit Sex umzugehen. „Vor der Abteilung gibt es öfters Ansammlungen von Jugendlichen, die sich gut hörbar einander aus den Büchern vorlesen und dann mit den eigenen Erfahrungen vergleichen“ erzählt eine Buchhändlerin. Gut zu sehen ist dabei, wie sie den Mund abschätzig verzieht. Ob es mehr das Thema oder die Lautstärke ist, das sie stört? „Allgemein ist die Erotikabteilung gut frequentiert“ bestätigt eine andere Buchhändlerin. Sie habe den Eindruck, dass besonders Jugendliche, die gerade ihre ersten Erfahrungen mit der Sexualität machten, dort anzutreffen wären. Den Anteil schätzt sie auf 70 Prozent. Gerade den Jüngeren werden die meisten Sexualratgeber verkauft. Sicher ist Interesse da, aber auch die Tatsache, dass man in allen Internetbuchhandlungen erst bestellen darf, wenn man volljährig ist, spielt eine Rolle.

Nur nicht in die Augen schauen!
In einer Darmstädter Buchhandlung steht eine Bücherinsel mit Erotikratgebern mitten im Gang. Jedem Taschenbuch stehen die Seiten ab. Ein Buch über Sex wird im Durchschnitt wesentlich öfter durchgeblättert als jedes andere Buch. Eine ganz andere Sache dagegen ist, sich sozusagen noch einmal öffentlich zu seinem Interesse an „Supersex“ zu bekennen. Die Rede ist vom Kaufen. Eine Buchhändlerin aus Ludwigsburg erzählt: „Gerade ältere Männer sieht man oft auf der Couch sitzen und das halbe Buch durchlesen.“ In anderen Buchhandlungen wird diese Aussage bestätigt. Ältere Männer zeigen sich zwar sehr interessiert am Sortiment, tauchen jedoch selten mit dem Buch vor der Kasse auf.

Beim Kauf kann man einige verbreitete Verhaltensstrategien beobachten: Das verwickelnde Gespräch, das umgedrehte Buch, um das auffällige Cover zu verbergen und den Klassiker, den jeder vom Kondomkauf kennt: Die ‚Unter Todesstrafe der Verkäuferin nicht in die Augen schauen‘-Taktik. Zwei Buchhändlerinnen erinnern sich noch sehr deutlich an ein 14jähriges Mädchen: „Sie lief schnell auf die Kasse zu, schmiss das Buch auf den Tisch und drehte sich sofort weg.“ Beleibe nicht alle verwenden so viele Gedanken auf den simplen Akt des Buchkaufs. Aber vor allen den Mädchen ist es peinlich. Dabei schreibt Schriftstellerehepaar Bodansky in ihrem Buch „Orgasmus XXL“: „Wir können uns kein vergnüglicheres Thema vorstellen“.

Ob nun eine Buchhandlung der beste Ort ist, um zu beobachten, wie die Gesellschaft wirklich mit Sex umgeht, sei dahingestellt.
Sollte es aber so sein, so bin ich froh, dass man immer wieder auch jugendliche Pärchen sieht, die aneinandergeschmiegt auf der Couch sitzen und sich gegenseitig Tipps aus den Erotikbüchern vorlesen.


Ausschnitt

23 04 2008

Leicht strichen ihre Fingerkuppen über die Härchen der Blätter. „Das Leben ist uns so nah“ sagte sie leise mehr zu sich selbst. Ein kurzer Blick zu ihrem Gast. Ob er wohl verstand? Still seufzend ließ sie die Hand hinabsinken und schloß das Thema innerlich ab. „Und sonst?“ fragte sie betont freundlicher und wandte sich ihm dabei wieder ganz zu, „Was gibt es Neues?“.
Er sah sehr wohl, dass sie sich wieder geschlossen hatte. Der wichtigste Moment in seinem Plan – und er hatte ihn verpasst.


explosive Gedanken

8 04 2008

Platzhirsche sind kein schöner Anblick.