Wie angekündigt, will ich heute ein bischen näher auf das Thema Berufsalltag eingehen. Für mich handelt es sich dabei trotz einiger Praktika immer noch um ein Thema, dass ich als gewissermaßen Außenstehende beurteile. Ich bin froh, noch nicht vor der Entscheidung zu stehen, ob ich lieber Sicherheit oder Selbstverwirklichung (sprich Freiheit) erreichen möchte. Ich denke, jeder hat andere Vorstellungen, was seinen Job betrifft. Auf jeden Fall will keiner die letzen zwei Arbeitsstunden des Tages immer wieder auf die Uhr schauen und leise verzweifelt „Let me go hooo-ooo-oome“ von Michael Bublé summen.
Gelernt habe ich aber so viel:
Wenn du durch das Unternehmen läufst – und sei es, um einen Notizblock zu holen – geh niemals mit leeren Händen. Nimm einen Notizblock mit. Das sieht nach „wichtig“ und „beschäftigt“ aus.

Gesehen? Die Madame in der Mitte weiss das auch. Nur so kann sie sich in der harten Männerwelt behaupten.
Wenn du um 14 Uhr das Unternehmen verläßt (natürlich wegen der vielen Überstunden) und davor noch telefonierst, verabschiede dich mit einem „Und ein schönes Wochenende – falls wir uns nicht mehr sehen.“ Alles andere hört sich nach faul und zu wenig beschäftigt an.
Wenn du am Arbeitsplatz sitzt und in Gedanken abschweifst (meistens der Moment, in dem man verträumt aus dem Fenster schaut), so kritzel nebenbei etwas aufs Papier. Das sieht auch nach ordentlich beschäftigt und wichtig aus. Also immer schön einen Stift in der Hand halten.
Bester Zeitpunkt für eine Pause ist nicht die Mittagspause. Da hat man sich sozial zu verhalten und vorsichtig beim Small-talk-Ballett mitzutanzen. Wehe man verpasst den Einsatz oder redet zu viel oder noch schlimmer: das Falsche. Eigentlich ist man in dieser Zeit unter dem größten Leistungsdruck. Also: Abschalten ist erst in der unauffälligen Teepause erlaubt. Der Gang in die Küche entspannt und man kann vollkommen gedankenfrei dem Wasser beim Kochen zuschauen, das frische Aroma des Tees beim Aufgießen einatmen und langsam zurückschlendern, mit einem Stück Ruhe in der Tasse. Angesichts des Blätterinfernos kommt es bei mir auf bis zu 4 Tassen Tee am Tag. Ja, obwohl wir Sommer haben.
Allgemein ist es mir rätselhaft, wie Menschen von 8 Uhr morgens bis 17 Uhr abends durcharbeiten können. Ich bin nicht faul, ich hoffe ich erwecke hier nicht den falschen Eindruck! Aber wenn ich eine Sache mache, so geht das zwei Stunden intensiv und danach ist mein Hirn erstmal Brei und ich benötige dringend Abwechslung. Man blickt auf und sieht dass alle anderem im Büro hochkonzentriert weiterarbeiten. Keiner sieht auch nur eine Minute nicht nach Arbeit aus. Also rafft man sich zusammen, quält sich weiter durch – und macht dann meistens mehr Fehler als sonst und ruft gedanklich das erlösende Mittagsessen herbei. Am Nachmittag das gleiche Spiel. Allerdings mit immer mehr Teepausen durchsetzt. Was machen die stundenlang? Vielleicht arbeiten sie langsamer und dafür länger? Bin ich ein Sprint-Arbeiter? Denn eigentlich komme ich mit der Arbeit immer sehr gut hin und bin meist früher fertig als vereinbart. Und wenn dem so ist, was mache ich dann in der Zeit, die ich zur gedanklichen Regeneration benötige und sehe dabei auch noch beschäftigt aus? Momentan ist meine Strategie eine noch recht ehrenwerte angesichts meiner Situation. So lese ich viele Online-Zeitungen, was ja eigentlich für mein Studium wichtig ist und informiere mich für kommende Praktika und Praxissemester. Die Feuilletons kenne ich mittlerweile besonders gründlich. Trotzdem, die Verwunderung angesichts der Marathonworker bleibt.






Danke für die wertvollen Tipps!
Ha, super Ideen. Die werde ich umsetzen :)
In welchem betrieb arbeitest du?
Was ich dich noch fragen wollte: wann wir die ‚‘Handtaschengeschichte“ fortgesetzt?
Ich arbeite bei Bertrandt in Stuttgart.
Zum Thema Handtaschengeschichte und allgemein dem Bloggen habe ich eine schlechte Nachricht: Das Schreiben verschiebt sich bis auf Weiteres, da ich gerade alle Hände voll zu tun habe, alles unter einen Hut zu bekommen. Sobald mein Stresslevel wieder unter meinem Blutzuckerniveau liegt (was eigentlich gar nicht so schwer sein sollte), werde ich garantiert die gesammelten Ideen für diesen Blog umsetzen und die Geschichte fortführen :). Ich denke, dass mit dem Beginn des Wintersemesters, also ab Oktober, ich wieder mit mit aller Kraft hier durchschreiben kann.
Bis dahin viele Grüße!
Hallo, ist ja interessant was du so den ganzen Tag machst.
Ich hoffe nur für dich das sie guten Tee für deine Rekreationszeit da haben.
Leider kann ich deine tollen Tips bei mir nicht anwenden. Schade!