Leben einhauchen

31 10 2008

Vielleicht sollten wir auch mehr Gegenstände personalisieren. Es kämen wahrscheinlich viel interessantere Gespräche zustande.

Der Nachteil ist, wenn man dann plötzlich mit seinem Toilettenpapier politisch nicht mehr einer Meinung ist und nirgendwo mehr eine ruhige Minute findet, weil immer wenn man das Bad betritt, es anfängt, einen mit gehässigen Kommentaren und kratzigen Verhalten das Leben schwer zu machen … aber das ist ja nur eine Möglichkeit :)

Nothing to see here .


Kann ja jedem mal passieren.

27 10 2008

Als heute eine Frau in einem weißen VW-Golf vor mir auf der Links-Abbiegerspur der Hauptstraße stand und die Autos von der linken Nebenstraße reinwinkte, blieb ich ganz ruhig.


Ja oder nein? Oder ja?….oder doch lieber nein?

25 10 2008

Entscheidungslosigkeit. Millionen Menschen sind betroffen. Ach was rede ich. Sicher Milliarden. Die Dunkelziffer der Unentschlossenen ist erschreckend hoch. Abgesehen natürlich von den Menschen, die auf alles eine Antwort haben.

Fragen gibt es ja genug, über die man länger nachdenken kann. Beginnen kann man mit der Frühstücksfrage: Müsli oder Brot? Geübtere gehen über zur Kleidungsfrage: In was sehe ich besser aus? Für Fortgeschrittene dann die Planungsfragen, die bereits ein hohes Maß an abstrakten Denken erfordern: Zuerst Bewerbungen abschicken, dann duschen, dann Geschirrspüler ausräumen und dann saugen? Wo kann man welche Nebeneffekte nutzen? Und als Profi ist man dann bei den wirklich großen Fragen des Lebens angekommen: Gehe ich auf den Geburtstag eines Freundes aus meiner WG oder sehe ich wie vereinbart meinen Freund einen Tag früher? Hier müssen dann alle Register gezogen werden. Ethische Werte stehen auf der Waage, mögliche Entscheidungen werden in Szenarien umgesetzt und im Kopf immer wieder auf Vor‑ und Nachteile analysiert. Und alles was rauskommt ist: Ich weiß nicht, wofür ich mich entscheiden soll. Eher Geburtstag?

Ich denke, dass da jeder seine eigenen Entscheidungsschwachpunkte hat. Und klar gibt es auch Tage, da kann ich mich noch nicht mal darauf festlegen, ob ich jetzt aufstehen soll oder nicht. Aber meine absolute Schwierigkeit ist – und da bin ich mir nun sicher – diese Wertentscheidungsfragen. Vielleicht haben sie ganz harmlos begonnen: „Willst du zu meinem Geburtstag kommen?“ Und man sagt ja, weil man die Person mag, das Feiern mag, ein Nein gar nicht auf der Liste steht. Und schon beginnt es.

Mein fleißiges Hirn ist wie eine Putzfrau im Frühjahrsrausch – alles wird rausgeschmissen. Flüchtige Notizen, wichtige Unterlagen, alles was grad so rumliegt und das freue Durchatmen verstopft, kommt in die Mülltonne. Weil es so ein schönes Gefühl ist, wenn alles sauber ist. Oder einfach, weil mein Hirn den Trubel liebt, den es verursacht. Ich hab nämlich vergessen, dass ich für den Tag auch jemand anderem mein Kommen versprochen habe. Ich sollte also lieber zum Liebsten fahren, auch wenn ich dafür mehr als zwei Stunden unterwegs bin. Oder?

Während des Tages diskutiere ich heftig mit mir selbst, es wird nach Argumenten gesucht, bis ich dann anfange, die Betroffenen selbst nach ihrer Meinung zu fragen: „Wie gern hättet ihr denn gern, dass ich komme?“. Nicht fair, ich weiß. Was sollen sie auch sagen. Ich versuche das Ausmaß der Verzweiflung abzuschätzen, wenn ich sie versetzen müsste. Die Höflichkeit macht es da einem echt schwer. Und nicht zu vergessen: Wonach ist mir? Leider kann ich meine Launen genauso gut abschätzen wie die Staus auf den Autobahnen (mit Ausnahme von Freitagen und der A81). Also auch von dieser Seite keine echte Hilfe.

Ganz Pfiffige bieten einem die Werf-ne-Münze-Lösung an. Doch das empfinde ich schon fast als Beleidigung für meine Problemlösungskompetenz. Ich werde ja wohl ne bessere Begründung für mein Handeln finden als die Aussage: „Du warst eben Zahl. Sorry.“ Letzten Endes aber ist dieser Weg doch sehr hilfreich. Im Grunde will man die Münze nicht werfen, WEIL man schon eine Entscheidung favorisiert, aber noch nicht genügend Gründe zusammen hat, um diese vor seinem moralischen Gewissen vertreten zu können. Dann ist ja alles klar. Auf zum Liebsten.

Am nächsten Tag ist jedoch so viel zu tun, dass ich mir wünsche, ich hätte mich für den Geburtstag entschieden, dann müsste ich nicht so früh los und könnte jetzt noch alles entspannt von meiner To-Do-Liste abhaken. Soll ich mich nicht doch noch einmal umentscheiden?


„Du bist ok“-Bücher

22 10 2008

Sind nicht die Ratgeber die besten, die genau das aussprechen, was wir uns still gedacht haben?

Menschen, die dem Stimme verleihen, das wir selbst in uns tragen, aber aus bestimmten Gründen nicht sagen oder gar ausleben?

Zu dieser Kategorie gehören auch all die Bücher, die uns erklären, warum es gut ist, wenn man nicht alles perfekt macht. Bücher, die behaupten und fragwürdig beweisen, dass man es mit Faulheit viel weiter bringt als mit verbissenem Ehrgeiz. Dahinter mag mehr oder weniger Bewiesenes stecken. Hauptsache ist jedoch, dass sie uns in dem bekräftigen, was wir bis dato mit schlechten Gewissen kaum zugeben wollten. Oder auch die berühmt berüchtigten „Sag Nein, wenn du Nein meinst“-Bücher. Alle nehmen uns die Unsicherheit ab und wir fragen nicht weiter nach vor Erleichterung.

Wieso fällt es uns so schwer aus uns selbst Sicherheit zu schöpfen? In den Büchern steht kaum mehr drin als man sich selbst schleimend vor dem Spiegel sagen kann. Und doch wollen wir ihnen glauben schenken, halten Gedrucktes für wahrer. Das ist wohl die Macht der Medien.

Doch glücklicherweise sind nicht alle so. Es gibt einige Bücher, die es wirklich geschafft haben, mein Denken zu verändern und aus denen ich gelernt habe, mich selbst besser zu verstehen. Bloß wie erkenne ich diese unter der Ratgeberschwemme? Im Notfall: Danach.


Skrupellos, aber (noch) skalpelllos

15 10 2008

Der Tag steigerte sich durch diverse Stadien der Genervtheit bis hin zum finalen Siedepunkt:
Dem Zusammentreffen mit meiner Mitbewohnerin
 – dem Endgegner sozusagen (für alle Nicht-Zocker: Der letzte und stärkste Gegner im Spiel). Eine Person, die es perfektioniert hat, jeden auf seine Fehler hinzuweisen und einen in zwei Sekunden in den dreckigen Boden der Weltuntergangsrealität zu treten. Wer zu fröhlich ist und unvorsichtig sich beim Lächeln erwischen lässt, darf sich auf eine kleine Belehrung gefasst machen, die sie immer großzügig verteilt. Aber sie studiert ja Lehramt und da steckt die unbegründete Überlegenheit bereits im Blut. Nett und sozial wie man ist, raunzt man harmlos ein bischen zurück und fühlt sich dabei schon unverhältnismäßig aggressiv.

Doch heute ist es anders. Ich bin _wirklich_ schlecht drauf. Wer mich anschaut, würde sich ducken. Meine Mitbewohnerin nutzt die Gelegenheit und taucht auf:
„Aber du weißt schon, dass du da ‚nen Deckel draufmachen musst?“

Das Gefährliche hierbei ist, dass man sich dafür auch noch entschuldigen will und sagt: „Ja, ich musste noch schnell die Tür aufmachen“. Aber das ist die falsche Strategie. Mittlerweile bin ich dazu übergegangen, sie mit unbewegten Gesicht anzustarren. Vielleicht merkt sie ja selbst, dass es sie nichts angeht. Sollte dies der Fall sein, lässt sie sich jedoch von dieser Stimme in ihrem Kopf nicht stören. Heute ist meine mentale Reaktion besonders heftig. In meinem Kopf schreit es: „Das geht dich einen Scheißdreck an!“, „Wenn interessiert’s?!“ „JA, ICH WEIß!!“ oder ich sage „Nein, mit dem Deckel hatte ich was anderes vor“ und gehe dabei langsam auf sie zu…. doch ich kann mich noch irgendwie halten. Murmel was in mich rein. Versuche nicht zu intensiv auf die Messerschublade zu schauen und verziehe mich auf das Sofa vor dem Fernseher, das direkt neben der Küche steht.

Rechts: meine Mitbewohnerin; Links: ich

Eine weitere Spezialität von ihr ist das ewige Einmischen, wenn man sich mit jemanden unterhält. Ich frage wenig später meinen Mitbewohner, ob ich was von seinem Kuchenteig probieren darf. Wer antwortet? Klar, die Hoheit des Raumes: „Nein, kannst du nicht.“ Das sind dann nur noch Holzscheite in ein bereits lichterloh brennendes Stadtviertel, das einmal meine soziale Rücksicht war. Doch ich kann nichts tun, da ich nicht alleine mit ihr bin. Also drehe ich den Fernseher lauter, um mich abzureagieren. Eine wunderbare Gartenmaschine wird gerade angepriesen und in meinem Kopf probiere ich bereits die leichte Bedienbarkeit und die garantiert scharf bleibenden Schneideaufsätze aus.

Einen Spruch, den sie gerne bringt: „Willst du dich ernsthaft mit mir streiten? Dann sitzt du nachher aber heulend auf deinem Zimmer!“ Ha, und wie ich will.

Ich stelle mir vor, wie beim Aufstehen mein nettes Ich auf der Couch sitzen bleibt und so tut, als würde es nichts mitbekommen. Mein böses Ich erhebt sich zum Kampf. Noch ein bescheuerter Kommentar und ich hole aus. Es ist, als ob ich nur auf sie gewartet hätte, die Krönung meines Tages. Heute bin ich in keiner „Lass uns alle Freunde sein“-Stimmung. Ich merke, wie ich sie herausfordernd anschaue – los, sag was. Irgendwas und ich mach dich fertig.
Doch sie sagt nichts und schaut wieder auf die Zigarette, die sie sich gerade dreht. Mist.

Und das ist der Grund, warum ich mich hier mit lauter Musik abreagieren muss. Da hilft kein Disneysong mehr. Harte Musik reinhauen, den Kämpfer rauslassen und wenn es nur dafür ist, sich selbst zu beweisen, dass man noch Krallen hat.

Ich dachte immer, ich sei leicht einzuschüchtern. Aber danke, liebe Mitbewohnerin, du hast mir gezeigt, dass dem nicht so ist. Ich habe es mir abgewöhnt vor verletztenden Kommentaren zurückzuschrecken. Denn wer die Fehler der Anderen fleißig sucht und täglich neu auslatscht, ein Sozialverhalten einer Gottesanbeterin an den Tag legt, sollte sich nicht über mangelnden Humor wundern.

Ich bin dankbar. Sie bringt mich an meine Grenzen – und sie werden immer weiter. Ich halte mehr Reibereien aus und weiß, wie ich damit umzugehen habe. Ich lasse es mir nicht mehr gefallen, wenn jemand seine beschissene Laune an mir auslässt. Ich habe gelernt, dass ich nicht mit allen klarkommen muss, auch wenn ich täglich mit ihnen zu tun habe.

Fazit frei nach Christuina Arguilera: „So thanks for making me a fighter!“.

Ich bin die Gabel und ihr die Nächsten!


Aktionismus – mit oder ohne Kabel

14 10 2008

Habe gestern spontan beschlossen, mir kabellose Kopfhörer zu kaufen, als mir beim Tanzen die rausgerissenen Kabel um die Ohren flogen.

Die Unterstellung, ich würde zu wild tanzen, verbitte ich mir. Schließlich vergesse ich die blöden Dinger auch, wenn ich zum Schrank laufe und es mich dann ruckartig zurückreißt. Naja, besser als wenn es meinen Laptop ruckartig zu Boden reißt … Jedenfalls kann das so nicht weitergehen. Die Situation ist untragbar. Genauso wie die Blogflaute hier.

Also wird sich einiges ändern. Hier und überhaupt. Kleiner Ausblick: Elysisch.com wird der neue Wohnort der Schlüsselszene heißen. Zurzeit bin ich schon fleißig am basteln.

Ansonsten: Studium hat endlich wieder begonnen! Und damit auch wieder mein Leben als Blog-Azubine. Gottseidank verpasst ihr jetzt keine noch so unwichtige Episode aus meinem Leben mehr. Hab mich in der Zwischenzeit schon ziemlich langweilig gefühlt.


Unschuldig?

1 10 2008

Ich weiß nicht, wie man das nennt, was mir immer wieder wiederfährt. Aber sollte es keinen Namen haben, so hat es einen verdient.

Für die morgige Abschiedsfeier im Unternehmen habe ich zwei Packung Schokocrossies gekauft und ins Auto gelegt. Damit ich nicht in Versuchung komme, habe ich sie direkt mit auf die Arbeit genommen und in meiner Schublade versenkt. Natürlich ist es mich doch überkommen und ich dachte mir „Ach, so viele kommen nicht zur Feier und eineinhalb Packungen reichen auch.“ Also hab ich mir eine Tüte (in einer Packung sind ja zwei) stibitzt und als ich sie öffne, sehe ich es: Die ganzen Schokoladenflocken sind verschmolzen und bilden eine große Schokocrossiesstange.Vermutlich durch die Fußbodenheizung im Auto, da ich sie ja im Auto liegen hatte? Wer weiß.
Es war also eine gute Tat die Packung zu öffnen und schon vorher zu naschen, sonst hätte ich mich ein wenig blamiert auf der Verabschiedung. Und zweitens kann ich jetzt alles mit gutem Gewissen auffuttern, schließlich kann man das so keinem mehr anbieten.

Doch diese ganze Verwicklung mutet doch ein wenig wie selbstgeschaffenes Glück an. Natürlich wollte ich die Schokolade von Anfang an haben, aber ohne dass ich deswegen undiszipliniert bin oder extra eine Neue kaufen muss. Und jetzt scheint es so, als hätte da jemand einen genialen Plan ausgetüftelt, an dem ich nicht direkt Schuld bin und mir einfach gegeben, was ich wollte. Es war einfach zu perfekt…und ich werde den Verdacht nicht los….dass es vielleicht doch mein Unterbewusstsein war, dass da unter dem Denkmantel des Vergessens…aber vielleicht sollte man das Glück genießen, wenn es vor einem liegt. Und lieber nicht zu viel nachdenken, woher es kommt.