Was für eine Nacht. Bartman’s World, ich sowie einige Freunde haben zusammen den historischen Präsidentenabend miterleben wollen. Es wurde ganz nett – wenn auch der Schwerpunkt weniger auf Amerika lag als gedacht. Im Folgenden die Highlights und besten Kommentare vom Wahlabend:
Im Vorfeld Diskussionen: Spannend ist diese Wahl vor allem, weil es höchstwahrscheinlich den ersten afro-amerikanischen Präsidenten geben wird, bei dem die Hautfarbendiskussion seltsamerweise fast komplett ausgeblendet wurde. Wird das die Wähler bei der Stimmenvergabe trotzdem beeinflussen?
0:00 Uhr. ZDF: Ein auffällig lächelnder Hintergrundgast verschwindet während einer Korrespondenzschaltung. Wir suchen. Hat das ZDF da seine Hände im Spiel?
Alle Experten aus Amerika sprechen eher schlechtes Deutsch. Endungen sind sowieso nicht so wichtig. Wir pauken hier Business-English und die finden es anscheinend ok, unverständlich vor sich hin zu quaken. Beispiel Karen Dorfield und weitere.
Wir finden auch eine Ausnahme: Koenig. Während wir noch rätseln, ob er nun Deutscher ist oder nicht, und uns schließlich für „perfekt sprechender Amerikaner“ entscheiden, ist sein Untertitel längst ausgeblendet. Mist. Ist er vielleicht Botschafter gewesen?
Im Vergleich zu den WM‑ oder EM-vergleichbaren Zusammenkünften wirken die deutschen Moderatoren und Experten vom ZDF eher altbacken und verstaubt. Ein Wahlhype wie in Amerika – in Deutschland denkbar? Angela Merkel als charismatische Medienherrscherin? Darum feiern wohl viele umso elanvoller bei den Amerikanern mit. Wir wollen auch, dass um unsere Stimme gebettelt wird, mit kreativen Filmchen, unterhaltsamen Fernsehauftritten, bewegenden Massenreden. Toll, was die da haben. Alle spüren den Umbruch und das jeder teilnehmen darf an dieser riesigen Party…um dann wieder zurück auf Deutschland schauen zu müssen…
Der ZDF-Info Teil, der immer wieder bei der ZDF-Hauptsendung „Heute – die Nacht der Entscheidung“ eingefügt wurde, war wohl der amüsanteste Part des Abends. So amüsant, dass wir mehr ZDF-Info geschaut haben, auch wenn man dort nie wirklich auf dem Laufenden war. Zu ZDF selbst sei noch gesagt, dass „Die Augenbraue“ Matthias Fornoff, live aus Washington zum Favoriten meines Wahlabends wurde. Es mag an der zusammenhangslos sich hebenden rechten Augenbraue gelegen haben, gegen 4 Uhr wurde echte Sympathie daraus. Mein Lieblingskorrespondent.

Nun zu ZDF-Info. Es war ganz dem Thema „Weltweit Web“ (O-Ton ZDF Wahlabend-Moderator Peter Frey) gewidmet. Und darunter versteht man anscheinend nur Twitter. Was denn Twitter sei, fragte ein Zuschauer per Twitter. Der Running-Gag des Abends. Wir waren erstaunt: Twitter, ein Programm, mit dem man kurze Nachrichten ähnlich dem Chatten ohne konkreten Adressaten online in die Gruppe stellt – das war also das Wahlmedium schlechthin? Wir Online-Journalisten guckten nicht schlecht. Keiner von uns hat Twitter je ausführlicher benutzt, da wir es nach ein paar Versuchen weniger reizvoll fanden. Aber sich über die Wahlvorgänge zu informieren stand auch nicht im Vordergrund dieser Standup-Sendung. Das Improvisatorische sollte wohl mit Lockerheit verwechselt werden. Was rauskam, war uninformativ, unwillentlich unterhaltsam und brachte die Online-Seite dieser Wahl kaum zum Ausdruck. Wenn das überhaupt je die Absicht gewesen war.
Es wurde gefilmt, welche Seiten Claus Kleber ansurfte, was er sich gerade anschaute oder anschauen wollte. Wir waren mehr damit beschäftigt, rauszufinden, welche Reiter Herr Kleber da noch offen hatte und waren glücklich, als wir entdeckten, dass er wohl mit Mozilla surfte.
Wie alle so in dieser Laptoprunde zusammensaßen, entspannt vor sich hinklickten ohne sichtbares Ergebnis (Vermutung: Die chatten alle untereinander) und Claus Kleber in der Mitte versuchte, Inhalte näher zu bringen – das erinnerte uns doch sehr an unser Studium.
2:45 Uhr. Wir bemerken, dass Claus Kleber als ehemaliger USA-Korrespondent überraschend Akzent-gefärbtes Englisch spricht.
Seine Moderationspartnerin macht sich noch unmöglicher, als sie folgenden Satz formuliert: „…the real elevations the internet has did.“ Setzten, sechs. Die kann man doch nicht in Amerika frei rumlaufen lassen!
2:50 Uhr. Eine Skype-Attacke. Während eines Skype-Interviews musste die erwähnte Moderatorin Dutzende von Anrufen und Chatangeboten via Skype ablehnen. Niemand bekam etwas von der Interviewten mit. Andauernd poppten neue Fensterchen auf. Die Moderatorin sprach hektisch in ihr Headset. Die Interviewte sprach seelenruhig weiter. Jaja, die vom ZDF… Ein wundervoller Fernsehmoment. Die Macht des Volkes. Alle wollen mal Hallo zu Claus Kleber sagen. Oder im Fernsehen sein.
3 Uhr. Claus Kleber verkündet: „Wir sind so weit, dass wir sagen können, der nächste Präsident heißt Obama.“ Wir sind alle platt. Woher weiß er das denn jetzt? Also umschalten auf ZDF, CNN, etc. Niemand weiß etwas davon. Tja, ZDF-Info ist auf seine Art allen voraus. Eine Begründung ist im Online-Zeitalter unnötig. Hauptsache man urteilt und schreibt, schreit oder twittert es in die Welt hinaus.
Es folgen weitere Interviews mit Claus Kleber, die er selbst nebenbei zu übersetzen versucht. Kommentar aus unserer Runde: „Also ehrlich. Eigene Übersetzungen machst du bei Viva!“. Wo er Recht hat. Doch es soll ja alles locker sein, spontan. Die Interviewten schauen verängstigt in die Kameras: „Meint er gerade mich?“, „Wo soll ich hinschauen?“, „Darf ich jetzt wieder gehen oder redet er noch mit mir?“. Ebenfalls sehr unterhaltsam. Manche können entkommen.
Dann erklärt uns Claus Kleber die Abkürzung „LOL“. Die stehe natürlich für „Lots of Laughter“ (Viel Gelächter). Ein lehrreicher Abend. Wir dachten immer, es stünde für „Laughing out loud“ (Laut Auflachen). Aber so überzeugend, wie er das rüberbringt… Stellt sich die Frage, was kann man hier überhaupt glauben?
Immer wieder wird getwittert, über Twittern geredet oder Twitter gezeigt. Dabei handelte es sich hier zum einem immer wieder um dieselbe Mitteillung (“Wahl lief toll ab. Hab nur 10 Minuten gebraucht. Bin stolz.“), zum anderem wird man den Verdacht der Schleichwerbung nicht los.
3:50 Uhr. Erste Halluzinationen. Hat Peter Klöppel grünes Haar?
4:40 Uhr. Wir sind uns sicher. Claus Kleber hat sich die Hose gewechselt. Was war da los?
4:46 Uhr. Jetzt wird es nochmal richtig spannend. Erste Eingeschlafene werden auf ZDF im Zoom gezeigt. Vielleicht eine versteckte Botschaft. Wir geben nicht auf.
5 Uhr. Endlich. Der Präsident steht fest. Barack Obama. Zwei Stunden nach Claus Klebers Verkündung ist es wohl auch nach Amerika durchgedrungen. Ja, die sind halt langsam und unprofessionell. Aber das kennt man ja schon. Jetzt nichts wie heim.
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