Leben einhauchen

31 10 2008

Vielleicht sollten wir auch mehr Gegenstände personalisieren. Es kämen wahrscheinlich viel interessantere Gespräche zustande.

Der Nachteil ist, wenn man dann plötzlich mit seinem Toilettenpapier politisch nicht mehr einer Meinung ist und nirgendwo mehr eine ruhige Minute findet, weil immer wenn man das Bad betritt, es anfängt, einen mit gehässigen Kommentaren und kratzigen Verhalten das Leben schwer zu machen … aber das ist ja nur eine Möglichkeit :)

Nothing to see here .


Ja oder nein? Oder ja?….oder doch lieber nein?

25 10 2008

Entscheidungslosigkeit. Millionen Menschen sind betroffen. Ach was rede ich. Sicher Milliarden. Die Dunkelziffer der Unentschlossenen ist erschreckend hoch. Abgesehen natürlich von den Menschen, die auf alles eine Antwort haben.

Fragen gibt es ja genug, über die man länger nachdenken kann. Beginnen kann man mit der Frühstücksfrage: Müsli oder Brot? Geübtere gehen über zur Kleidungsfrage: In was sehe ich besser aus? Für Fortgeschrittene dann die Planungsfragen, die bereits ein hohes Maß an abstrakten Denken erfordern: Zuerst Bewerbungen abschicken, dann duschen, dann Geschirrspüler ausräumen und dann saugen? Wo kann man welche Nebeneffekte nutzen? Und als Profi ist man dann bei den wirklich großen Fragen des Lebens angekommen: Gehe ich auf den Geburtstag eines Freundes aus meiner WG oder sehe ich wie vereinbart meinen Freund einen Tag früher? Hier müssen dann alle Register gezogen werden. Ethische Werte stehen auf der Waage, mögliche Entscheidungen werden in Szenarien umgesetzt und im Kopf immer wieder auf Vor‑ und Nachteile analysiert. Und alles was rauskommt ist: Ich weiß nicht, wofür ich mich entscheiden soll. Eher Geburtstag?

Ich denke, dass da jeder seine eigenen Entscheidungsschwachpunkte hat. Und klar gibt es auch Tage, da kann ich mich noch nicht mal darauf festlegen, ob ich jetzt aufstehen soll oder nicht. Aber meine absolute Schwierigkeit ist – und da bin ich mir nun sicher – diese Wertentscheidungsfragen. Vielleicht haben sie ganz harmlos begonnen: „Willst du zu meinem Geburtstag kommen?“ Und man sagt ja, weil man die Person mag, das Feiern mag, ein Nein gar nicht auf der Liste steht. Und schon beginnt es.

Mein fleißiges Hirn ist wie eine Putzfrau im Frühjahrsrausch – alles wird rausgeschmissen. Flüchtige Notizen, wichtige Unterlagen, alles was grad so rumliegt und das freue Durchatmen verstopft, kommt in die Mülltonne. Weil es so ein schönes Gefühl ist, wenn alles sauber ist. Oder einfach, weil mein Hirn den Trubel liebt, den es verursacht. Ich hab nämlich vergessen, dass ich für den Tag auch jemand anderem mein Kommen versprochen habe. Ich sollte also lieber zum Liebsten fahren, auch wenn ich dafür mehr als zwei Stunden unterwegs bin. Oder?

Während des Tages diskutiere ich heftig mit mir selbst, es wird nach Argumenten gesucht, bis ich dann anfange, die Betroffenen selbst nach ihrer Meinung zu fragen: „Wie gern hättet ihr denn gern, dass ich komme?“. Nicht fair, ich weiß. Was sollen sie auch sagen. Ich versuche das Ausmaß der Verzweiflung abzuschätzen, wenn ich sie versetzen müsste. Die Höflichkeit macht es da einem echt schwer. Und nicht zu vergessen: Wonach ist mir? Leider kann ich meine Launen genauso gut abschätzen wie die Staus auf den Autobahnen (mit Ausnahme von Freitagen und der A81). Also auch von dieser Seite keine echte Hilfe.

Ganz Pfiffige bieten einem die Werf-ne-Münze-Lösung an. Doch das empfinde ich schon fast als Beleidigung für meine Problemlösungskompetenz. Ich werde ja wohl ne bessere Begründung für mein Handeln finden als die Aussage: „Du warst eben Zahl. Sorry.“ Letzten Endes aber ist dieser Weg doch sehr hilfreich. Im Grunde will man die Münze nicht werfen, WEIL man schon eine Entscheidung favorisiert, aber noch nicht genügend Gründe zusammen hat, um diese vor seinem moralischen Gewissen vertreten zu können. Dann ist ja alles klar. Auf zum Liebsten.

Am nächsten Tag ist jedoch so viel zu tun, dass ich mir wünsche, ich hätte mich für den Geburtstag entschieden, dann müsste ich nicht so früh los und könnte jetzt noch alles entspannt von meiner To-Do-Liste abhaken. Soll ich mich nicht doch noch einmal umentscheiden?


Skrupellos, aber (noch) skalpelllos

15 10 2008

Der Tag steigerte sich durch diverse Stadien der Genervtheit bis hin zum finalen Siedepunkt:
Dem Zusammentreffen mit meiner Mitbewohnerin
 – dem Endgegner sozusagen (für alle Nicht-Zocker: Der letzte und stärkste Gegner im Spiel). Eine Person, die es perfektioniert hat, jeden auf seine Fehler hinzuweisen und einen in zwei Sekunden in den dreckigen Boden der Weltuntergangsrealität zu treten. Wer zu fröhlich ist und unvorsichtig sich beim Lächeln erwischen lässt, darf sich auf eine kleine Belehrung gefasst machen, die sie immer großzügig verteilt. Aber sie studiert ja Lehramt und da steckt die unbegründete Überlegenheit bereits im Blut. Nett und sozial wie man ist, raunzt man harmlos ein bischen zurück und fühlt sich dabei schon unverhältnismäßig aggressiv.

Doch heute ist es anders. Ich bin _wirklich_ schlecht drauf. Wer mich anschaut, würde sich ducken. Meine Mitbewohnerin nutzt die Gelegenheit und taucht auf:
„Aber du weißt schon, dass du da ‚nen Deckel draufmachen musst?“

Das Gefährliche hierbei ist, dass man sich dafür auch noch entschuldigen will und sagt: „Ja, ich musste noch schnell die Tür aufmachen“. Aber das ist die falsche Strategie. Mittlerweile bin ich dazu übergegangen, sie mit unbewegten Gesicht anzustarren. Vielleicht merkt sie ja selbst, dass es sie nichts angeht. Sollte dies der Fall sein, lässt sie sich jedoch von dieser Stimme in ihrem Kopf nicht stören. Heute ist meine mentale Reaktion besonders heftig. In meinem Kopf schreit es: „Das geht dich einen Scheißdreck an!“, „Wenn interessiert’s?!“ „JA, ICH WEIß!!“ oder ich sage „Nein, mit dem Deckel hatte ich was anderes vor“ und gehe dabei langsam auf sie zu…. doch ich kann mich noch irgendwie halten. Murmel was in mich rein. Versuche nicht zu intensiv auf die Messerschublade zu schauen und verziehe mich auf das Sofa vor dem Fernseher, das direkt neben der Küche steht.

Rechts: meine Mitbewohnerin; Links: ich

Eine weitere Spezialität von ihr ist das ewige Einmischen, wenn man sich mit jemanden unterhält. Ich frage wenig später meinen Mitbewohner, ob ich was von seinem Kuchenteig probieren darf. Wer antwortet? Klar, die Hoheit des Raumes: „Nein, kannst du nicht.“ Das sind dann nur noch Holzscheite in ein bereits lichterloh brennendes Stadtviertel, das einmal meine soziale Rücksicht war. Doch ich kann nichts tun, da ich nicht alleine mit ihr bin. Also drehe ich den Fernseher lauter, um mich abzureagieren. Eine wunderbare Gartenmaschine wird gerade angepriesen und in meinem Kopf probiere ich bereits die leichte Bedienbarkeit und die garantiert scharf bleibenden Schneideaufsätze aus.

Einen Spruch, den sie gerne bringt: „Willst du dich ernsthaft mit mir streiten? Dann sitzt du nachher aber heulend auf deinem Zimmer!“ Ha, und wie ich will.

Ich stelle mir vor, wie beim Aufstehen mein nettes Ich auf der Couch sitzen bleibt und so tut, als würde es nichts mitbekommen. Mein böses Ich erhebt sich zum Kampf. Noch ein bescheuerter Kommentar und ich hole aus. Es ist, als ob ich nur auf sie gewartet hätte, die Krönung meines Tages. Heute bin ich in keiner „Lass uns alle Freunde sein“-Stimmung. Ich merke, wie ich sie herausfordernd anschaue – los, sag was. Irgendwas und ich mach dich fertig.
Doch sie sagt nichts und schaut wieder auf die Zigarette, die sie sich gerade dreht. Mist.

Und das ist der Grund, warum ich mich hier mit lauter Musik abreagieren muss. Da hilft kein Disneysong mehr. Harte Musik reinhauen, den Kämpfer rauslassen und wenn es nur dafür ist, sich selbst zu beweisen, dass man noch Krallen hat.

Ich dachte immer, ich sei leicht einzuschüchtern. Aber danke, liebe Mitbewohnerin, du hast mir gezeigt, dass dem nicht so ist. Ich habe es mir abgewöhnt vor verletztenden Kommentaren zurückzuschrecken. Denn wer die Fehler der Anderen fleißig sucht und täglich neu auslatscht, ein Sozialverhalten einer Gottesanbeterin an den Tag legt, sollte sich nicht über mangelnden Humor wundern.

Ich bin dankbar. Sie bringt mich an meine Grenzen – und sie werden immer weiter. Ich halte mehr Reibereien aus und weiß, wie ich damit umzugehen habe. Ich lasse es mir nicht mehr gefallen, wenn jemand seine beschissene Laune an mir auslässt. Ich habe gelernt, dass ich nicht mit allen klarkommen muss, auch wenn ich täglich mit ihnen zu tun habe.

Fazit frei nach Christuina Arguilera: „So thanks for making me a fighter!“.

Ich bin die Gabel und ihr die Nächsten!


Marathon versus Sprint

3 08 2008

Wie angekündigt, will ich heute ein bischen näher auf das Thema Berufsalltag eingehen. Für mich handelt es sich dabei trotz einiger Praktika immer noch um ein Thema, dass ich als gewissermaßen Außenstehende beurteile. Ich bin froh, noch nicht vor der Entscheidung zu stehen, ob ich lieber Sicherheit oder Selbstverwirklichung (sprich Freiheit) erreichen möchte. Ich denke, jeder hat andere Vorstellungen, was seinen Job betrifft. Auf jeden Fall will keiner die letzen zwei Arbeitsstunden des Tages immer wieder auf die Uhr schauen und leise verzweifelt „Let me go hooo-ooo-oome“ von Michael Bublé summen.

Gelernt habe ich aber so viel:

Wenn du durch das Unternehmen läufst – und sei es, um einen Notizblock zu holen – geh niemals mit leeren Händen. Nimm einen Notizblock mit. Das sieht nach „wichtig“ und „beschäftigt“ aus.

Gesehen? Die Madame in der Mitte weiss das auch. Nur so kann sie sich in der harten Männerwelt behaupten.

Wenn du um 14 Uhr das Unternehmen verläßt (natürlich wegen der vielen Überstunden) und davor noch telefonierst, verabschiede dich mit einem „Und ein schönes Wochenende – falls wir uns nicht mehr sehen.“ Alles andere hört sich nach faul und zu wenig beschäftigt an.

Wenn du am Arbeitsplatz sitzt und in Gedanken abschweifst (meistens der Moment, in dem man verträumt aus dem Fenster schaut), so kritzel nebenbei etwas aufs Papier. Das sieht auch nach ordentlich beschäftigt und wichtig aus. Also immer schön einen Stift in der Hand halten.

Bester Zeitpunkt für eine Pause ist nicht die Mittagspause. Da hat man sich sozial zu verhalten und vorsichtig beim Small-talk-Ballett mitzutanzen. Wehe man verpasst den Einsatz oder redet zu viel oder noch schlimmer: das Falsche. Eigentlich ist man in dieser Zeit unter dem größten Leistungsdruck. Also: Abschalten ist erst in der unauffälligen Teepause erlaubt. Der Gang in die Küche entspannt und man kann vollkommen gedankenfrei dem Wasser beim Kochen zuschauen, das frische Aroma des Tees beim Aufgießen einatmen und langsam zurückschlendern, mit einem Stück Ruhe in der Tasse. Angesichts des Blätterinfernos kommt es bei mir auf bis zu 4 Tassen Tee am Tag. Ja, obwohl wir Sommer haben.

Allgemein ist es mir rätselhaft, wie Menschen von 8 Uhr morgens bis 17 Uhr abends durcharbeiten können. Ich bin nicht faul, ich hoffe ich erwecke hier nicht den falschen Eindruck! Aber wenn ich eine Sache mache, so geht das zwei Stunden intensiv und danach ist mein Hirn erstmal Brei und ich benötige dringend Abwechslung. Man blickt auf und sieht dass alle anderem im Büro hochkonzentriert weiterarbeiten. Keiner sieht auch nur eine Minute nicht nach Arbeit aus. Also rafft man sich zusammen, quält sich weiter durch – und macht dann meistens mehr Fehler als sonst und ruft gedanklich das erlösende Mittagsessen herbei. Am Nachmittag das gleiche Spiel. Allerdings mit immer mehr Teepausen durchsetzt. Was machen die stundenlang? Vielleicht arbeiten sie langsamer und dafür länger? Bin ich ein Sprint-Arbeiter? Denn eigentlich komme ich mit der Arbeit immer sehr gut hin und bin meist früher fertig als vereinbart. Und wenn dem so ist, was mache ich dann in der Zeit, die ich zur gedanklichen Regeneration benötige und sehe dabei auch noch beschäftigt aus? Momentan ist meine Strategie eine noch recht ehrenwerte angesichts meiner Situation. So lese ich viele Online-Zeitungen, was ja eigentlich für mein Studium wichtig ist und informiere mich für kommende Praktika und Praxissemester. Die Feuilletons kenne ich mittlerweile besonders gründlich. Trotzdem, die Verwunderung angesichts der Marathonworker bleibt.


Hilfe, mein Laptop ist Stier!

24 04 2008

Der StierNach mehr als einem Monat qualvollen Wartens habe ich jetzt einen neuen Laptop. Ich habe mich riesig gefreut, entsprechend seinen Ausmaßen. Ja, er ist nicht der kleinste. Alle neuen Funktionen habe ich ausprobiert und im Web gesurft, als hätte ich noch nie die Freuden des Onlinezeitalters gekostet. Doch mehr und mehr schlichen sich die ersten Dämpfer ein. Ungewöhnlich lange Ladezeiten. Ein sehr schickes Layout, das aber leider sehr schwer bedienbar ist. Mir kam ein Verdacht: Ist mein Laptop etwa ein Stier?

Ich habe nochmal nachgeschaut: Ja, diese Zeit gehört den Taunus-Kindern. Bleibt nur noch eine einzige Frage: Kann ein Laptop an sich einem bestimmten Sternzeichen angehören? Ist die Macht der Astrologie so groß, dass sie sogar der Technik Charaktereigenschaften abgewinnen kann?

Ich für mich habe diese Frage mit einem ja beantwortet. Ich kenne einige Stier-Geborene und möchte nicht allen grundsätzlich bestimmte Eigenschaften zusprechen, aber es gibt doch auffällige Gemeinsamkeiten!

Ein Stier geht nicht frohlockend auf Veränderungen zu. Er mag es eher nach Plan und gesichert. So auch mein Laptop. Er traut mir nichts zu und fragt mich lieber dreimal, ob ich das auch WIRKLICH machen möchte.

Wenn Stiere etwas tun, so machen sie es gründlich, was mitunter länger dauern kann, aber dafür besser ausieht. (Das sind die Kinder, die wirklich IMMER entlang der Linie ausgeschnitten haben.) Sie legen nämlich viel Wert auf das Schöne im Leben. Schließlich ist der regierende Planet die Venus. Brauche ich noch groß auf meinen Laptop hinzuweisen?

Und das dritte große Merkmal: Das Mit-dem-Kopf-durch-die Wand-Syndrom. Haben sich Stiere nämlich festgelegt und auf einen Wandel eingelassen, lassen sie nicht locker – koste es, was es wolle. Sie sind wie die Helden im Film. Selbst nachdem sie von einem Auto überfahren, in die empfindlichsten Körperteile getreten worden sind und nur noch am Ringfinger vom Rand der Klippe hängen, denken sie: „Ha! War das schon alles? Denkst du etwa ich gebe jetzt schon auf?!“. Das ist mein Laptop.

Ob das die besten Eigenschaften für einen Laptop sind? Ich habe da so meine Zweifel, aber ich setze auf eine weitere Seite des Stiers: Die tiefe Treue. Vielleicht gewöhnt sich der Laptop irgendwann an mich und kämpft dann gegen die bockigen Programme. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg der gemeinsamen Gewöhnung.


Überholen international

23 03 2008

Mit der Scheibenwelt hat es angefangen. Und obligatorisch muss man dann auch Douglas Adams lesen, den großen Bruder von Terry Pratchett – so hörte ich jedenfalls. Neben den bekannteren Büchern von ihm wie „Per Anhalter durch die Galaxis“ wurde mir das Buch „Die Letzten ihrer Art“ empfohlen – und so landete es diese Weihnachten auf dem Gabentisch und gestern in meinen Händen. Es beschreibt seine Reise zu den aussterbenden Tieren der Erde, stellenweise sehr unterhaltsam. Nun führte diese Reise auch nach China und was er über den dortigen Verkehr schreibt, ist wirklich lesenwert:

„Ausländer dürfen in China nicht Auto fahren, und die Gründe liegen auf der Hand. Die Chinesen fahren oder radeln nach Gesetzen, die für einen nichteingeweihten Betrachter einfach undurchschaubar sind, wobei ich nicht nur an die Gesetze der Straßenverkehrsordnung denke, sondern auch an die Gesetze der Physik. Gegen Ende unseres Aufenthaltes in China hatte ich mich damit abgefunden, dass der eigene Chauffeur, wenn er hinter einem anderen Wagen oder Laster auf einer zweispurigen Straße fährt und ihm zwei andere Fahrzeuge entgegenkommen, von denen eins gerade das andere überholt, unverzüglich ebenfalls ausschert und zum Überholen ansetzt. Wundersamer Weise geht es letztlich immer gut.
Nicht gewöhnen konnte ich mich allerdings an folgende Situation: Das Fahrzeug vor einem überholt das Fahrzeug davor, und der eigene Chauffeur schert aus und überholt das überholende Fahrzeug genau in dem Moment, da einem drei andere Fahrzeuge entgegenkommen, die das gleiche Manöver veranstalten.“

Leider ist diese Stelle erst auf Seite 215 und damit recht weit hinten für den ersten Lacher. Meine Mutter hingegen fand das Buch klasse. Die Reise ist auf jeden Fall interessant geschildert, der Stil von Herrn Adams für mich jedoch zu faserig, irgendwie stimmt der Rhythmus für mich nicht.

Ich merke, ich muss wirklich noch an meiner Kritikfähigkeit üben. Ich finde es schwer, auf den Punkt zu sagen, was genau da nicht passt.
Neuer Versuch: Obiger Szene folgt ein Abschlußsatz, der die Pointe ausklingen lassen soll:

„Man darf wohl davon ausgehen, dass Sir Isaac Newton schon vor langer Zeit als bourgeoiser, kapitalistischer Speichellecker enttarnt worden ist.“

Für mich ging das voll daneben. Anstelle es dabei zu belassen oder auf die Verkehrssituation einzugehen, wählt er diesen Satz, der das Thema im letzten Moment vom Lacher wegreißt. Nochzumal auf eine für mich unverständliche Art. Und so geht es an mehrern Stellen im Buch. Adams schildert präzise und schafft verblüffende Vergleiche, die zum Schmunzeln anregen. Doch die Sätze sind zu lang, die Szenen zu ausführlich und so dämmert man zwischen den grandiosen Stellen vor sich hin. Schade.

Übrigens: Zu Ostern gab es das relativ neue Buch von Terry Pratchett „Ein Hut voller Sterne“. Ich bin mal gespannt, ob das ein wenig packender wird als die anderen aus der Tiffany-Reihe. Doch mehr davon in der nächsten Kritik – ich muss ja für meinen Beitrag in der zweiten Ausgabe vom Darmspiegel üben ;).

Grüße an alle Lesenden!
Für was sind Feiertage sonst da?


Schlaflos = sprachlos?

29 02 2008

Mitten in der Nacht.
und ich kann nicht schlafen.

Links zu sehen: Kombination Schlaflos + Krank + Ich

Wenn man Germanys Next Topfmodel schaut, will man das Einkaufen um eine Woche verschieben und 20 spontane Sit-ups hinlegen. Gottseidank hält mich mein Kreislauf jetzt davon ab, der Blick auf sich selbst ist trotzdem kritischer. Sowas sollte es auch für die Jungs geben, damit nicht nur wir Mädels desillusoniert und wieder in die Grenzen der Normalsterblichschönen verwiesen werden. Ich bin mir sogar fast ein bischen sicher, dass alle Zuschauerinnen das nächste Mal länger vor dem Spiegel stehen werden.

Kann immer noch nicht schlafen.
Vielleicht kennt einer von euch den Tipp, dass der Duft von Vanille die Lust auf Süßes senkt und allgemein den Appetit dämpft. Ich denke jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um das mal zu klären: NEIN. Wenn ich an meiner Vanillekerze schnupper, denke ich an all die schönen Sachen, die mit Vanilleduft bereichert werden. Daher denke ich die ganze Zeit unterschwellig das Wort „Sahnecreme“. Nicht gut für potentielle Top-Models.

Ich hab mir überlegt, da auch mal mitzumachen. Allerdings erst mit 35, damit auch die anderen noch eine Chance haben. Außerdem wäre es sonst nichts Besonderes dort zu gewinnen. Bis 35 könnte ich es sogar schaffen ohne Diät so mager auszusehen. Ich denke in dem Alter habe ich dann sowieso kaum noch Nerven und Zeit um zu essen. Diät kommt sowieso nicht in Frage. Nur Abnehmen aus Faulheit (Aufzustehen, zu kochen, den Dosenöffner zu suchen, einkaufen zu gehen) ist moralisch richtig :). Mit Sport halte ich es auch mehr sozial. Eine Lysann wird man nie alleine joggen sehen. Ich bin kein Hamster und renne nicht gerne ziellos durch die Gegend.
Die Größe hätte ich ja, laufen kann ich mitterweile auch auf hohen Absätzen, allerdings baue ich noch zu wenige grammatikalische Fehler in meine frenetischen Gemütsbekundungen ein, trage kein platinblond und meine Beine sind sicher nicht 115 cm lang. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Immer noch spät. Könnte doch endlich in ganz schön früh übergehen. Dann wäre ich nach langer Pause wieder Frühaufsteher. Student sein fühlt sich manchmal an wie saisonell bedingte Arbeitslosigkeit. Momentan habe ich jedoch damit zu tun, meinen Kopf zusammenzuhalten. Das Schmerzmittel macht mich zum freundlichen Nicker. Doch nur weil mir einfach nicht mehr schnell genug eine sarkatische Erwiderung einfällt. Und manchmal stehe ich 10 Minuten da, bis ich endich wieder weiß, was ich wollte. Irgendwie funktionieren also die Handlungsüberleitungen nicht mehr. Jaja ich werde alt. Meine 20 sieht man mir leider auch schon an und mein Haar sei dünner geworden. Alles nicht so leicht, kann ich euch sagen.

Was kann frau gegen solche nagenden Gedanken um 2 Uhr morgens machen? Alle Bikinis aprobieren und mit dem Handy Fotos davon machen, um endlich „objektiv“ sagen zu können, welcher der Beste ist? Habe ich schon gemacht. Bin aber immer noch nicht sicher. Einkaufen gehen fällt aus, also suchen, was sich alles noch zu Frustfutter umfunktionieren lässt. Rosinen mit Mandeln beispielsweise. Honig. Gauda. Alles geht, wenn man nur will. Doch das führt zu noch mehr Depression am nächsten Donnerstag. Lesen? Zu spät. Film schauen? Romantischen Film schauen? Nein, ich schlaf sonst gleich ein und hab wieder nur den halben Film im Kopf ohne ihn dann noch mal ganz anzuschauen. Am besten ich leg mich hin und warte.

Merke: Fiebriger Mittagsschlaf rächt sich immer!


Es werde Blutmond!

20 02 2008

Spontaner Entschluss: Ich stehe morgen um 4 Uhr auf, denn ich will den Blutmond sehen.
Ein kleines Opfer, und ich hoffe der Wettergott bringt auch ein kleines Opfer und zieht die Wolkendecke kurz zurück. Ich finde Himmelsereigisse auf eine unbeschreibliche Weise sehr wichtig. Ich stelle mir vor, wie früher die Menschen die Natur als Propheten sah und fühle auch heute trotz Erklärungen eine innere Ehrfurcht, wenn ich diese Phänomene beobachte.

Auf einen blutroten Mond und eine nachdenkliche Tasse Tee am Fenster.

Anmerkung: Irgendwie sind die Wörter kürzer geworden. Beispielsweise „Fenster“. Warum hat es nur so wenig Buchstaben? Ich habe es als langes Wort im Gedächtnis und schaue dann immer, ob ich es nicht doch falsch geschrieben habe. Oder „Hamster“. Woran liegt das nur?


Die weiße Magie Journalismus

10 02 2008

Ich lerne gerade. Prüfungsfach: Einführung in Journalistik und den Online-Journalismus.
Das ist auch ganz nett. Wenn mich Journalismus interessieren würde. Doch von Anfang an.
[Vorlesbar]

Ein Teil des Prüfungsstoffes ist beispielsweise die Frage, inwieweit es sinnvoll ist, Journalismus zu studieren. Ähem… Muss irgendjemand anderes seine Studienwahl auch erst auswendig lernen und dann in der Prüfung begründen? Das macht mich skeptisch.

Dann die Tatsache, dass ich die ganze Zeit hier lese, schreibe, lerne, was guten Journalismus ausmacht, was für ethische Vorstellungen ein Journalist hat und wie wichtig Journalismus ist.

Ich kann das ja alles nachvollziehen. Und ich kann es gerade so lernen. Aber innerlich sträubt es sich doch.
Ich bin nach Darmstadt gegangen, weil mich PR interessiert. Und PR wird auch irgendwann Teil des Stundenplans werden, aber erst sind wir alle – die Journalisten und die PRler – auf einer gemeinsamen Basis. Daher dieses Fach „für gegenseitiges Verständnis“.

Tatsache ist: Ich fühle mich wie ein schwarzer Magier, der sich durch das Geschleime der weißen Magie durcharbeiten muss, bevor er endlich Hand an die verbotenen, machtvollen Bücher legen darf. Wenn überhaupt. Es tut mir leid, dass ich kein große Verpflichtung der Bevölkerung gegenüber fühle, sie über die Machenschaften der Parteien aufzuklären. Ich bin einfach nicht Politik-interessiert. Ich schätze es, dass es Leute gibt, die das gerne machen. Aber ich gehöre definitiv nicht dazu. Und jetzt lese ich diese strahlenden Credos von Wahrhaftigkeit und Meinungspluralität, Unabhängigkeit und weißen Rittern der Freiheit – doch es ist einfach anstrengend – wenn nicht sogar giftig.

Was ist an der Wahrheit toll? Nicht jeder will sie hören, kaum einer teilt die des anderen und wenn jemand wirklich wahr schreiben will, kann er sich kaum einer Sache sicher sein. Klar, die Wahrheit ist notwendig, aber ab und zu kommmt es mir wie Geheuchel vor, diese Ideale, die Wahrheit verbreiten zu wollen und die Menschheit zu befreien. Alles ist Manipulation. Versuch mal eine Meldung zu schreiben ohne Kommentar – ich könnte daran verzweifeln.

Ich bin also kein negativer, desillusionierter Mensch, der der Wahrheit den Rücken zugewandt hat und sich nun den schwarzen Mächten verschrieben hat. Nein, ich liebe das Spiel der Beeinflußung, der Taktik, der unterschwelligen Botschaften. Ich schaue lieber Werbung als SternTV (jeder, der die Fernbedienung mal an mich verloren hat, weiß es nur zu gut) und nehme alle Werbeprospekte oder Flyer mit, die rumliegen. Eine Spielwiese, ein magisches Land der Worte und Verzauberung, ein ungebrochener Bann der Bilder…alles lernbar…alles vor unseren Augen….

Doch ich sitze hier vor der weißen Magie und lese immer wieder wie ich armen Blinden den rettenden Weg zeigen kann, wie man mit Aufrichtigkeit das Elend der Welt löst und das ist schlicht nicht mein Märchen.

Vielleicht habe ich einen kleinen Hang zur Gaunerei, zur List und Tücke, aber ich schätze eine kunstvolle, komplex aufgebaute Wahrheitsvertuschung höher als die plumpe Tatsache. Es ist eine Herausforderung an den Intellekt, an die Menschenkenntnis, die Fantasie….

Das musste mal gesagt werden. Jetzt kann ich friedlich weiterlernen und ich danke für die Aufmerksamkeit!


Seitenbänke

8 02 2008

Wer kann schon sagen wo die Zeit uns hinführt? Immer wieder gehen wir verloren, verschlucken uns an einer Welle oder tauchen unter – manchmal sogar für Jahre.

Wie alte Ankerketten ziehe ich meine Gedanken an die Oberfläche. Manche meiner negativen Gedanken trage ich schon länger als zehn Jahre. Mehr als die Hälfte meines Lebens unnötige, negative Gedanken. Bedenklich. Ich versuche sie zu lösen, sie aufzuschweißen, loszuhämmern, mich freizureden und zerre immer wieder an ihnen. Die Fußfesseln des Verstandes die uns im Gefühlsmeer verankern… Alte Gedankenstrukturen wird man nur sehr schwer los.

Mein Lieblingsspruch ist von Diane Arbus: „Die Welt ist voller fiktiver Charaktere, die nach ihren Geschichten suchen“.
Doch wählt man immer sein Lebensgefühl? Wie viel lässt sich ändern?

Alle kämpfen sie sich durch das Leben. Man sieht im Kampf auf, schaut zu Seite, wie kommt jener voran?, wie macht er das? und was kommt da auf uns zu? Manchmal habe ich das Gefühl, es ist ein ewiges Schlachtfeld um den Sinn. Für den Sinn kämpfen wir, jeder gegen seinen eigenen Gegner. Die Verzweiflung oft nicht zu wissen, wohin es geht, alle schreien uns ihre widersprüchlichen Erfahrungen zu, doch wir wissen nicht weiter, wissen nicht wohin es geht, warten einfach auf die Küste oder lassen uns treiben.

Wenn man wieder ein Stück mehr von sich selbst erkennt, sieht man: Alles wiederholt sich in sich selbst. Wie ein uralter Gedanke sich immer wieder neugebiert, sich in unserem Leben ausdrückt, gelöst werden will, meist jedoch weitergeschoben wird ins nächste Jahr.

Ich sitze auf einer Seitenbank der Zeit und schaue dem fließenden Leben zu. Der Fluß offenbart wenig, funkelt wunderschön in der Sonne, lockt uns bis man sich wieder hineinstürzt, egal wie sehr man den Sog verflucht hat und sich die Trockenheit gewünscht.