Nichts ist realer als ein Traum

1 04 2009

„Meine Träume – was wäre ich nur ohne sie?
Oft wälze und kaue ich wochenlang auf einer Frage herum.
Wie finde ich es? Wie stehe ich dazu? Wie soll es weitergehen?
Ich finde einfach nicht das passende Gefühl, das einrastet. Die Frage kommt immer und immer wieder hoch, weil ich keine Antwort finde. Und dann kommt ein Traum, in seiner Entstellung direkter als alles andere. Die Welt im Traum sieht nicht so aus, wie du dich mit ihr arrangiert hast. Alles ist, wie du es immer verdrängen wolltest – dank positiven Denkens, Meditationen, Erfolg, Liebe und Ansehen. Doch es bricht alles durch und mit ihm die Antwort: ein überwältigendes Gefühl, das dich so wunderbar ergänzt und dich doch wieder so herausreißt aus deinen Ansichten.

Der ganze Tag ist dann versunken, wertlos, angesichts dessen, was du in dir gesehen hast.
Wird das Erblickte jedoch nicht übersetzt, ausformuliert, verlischt die Erinnerung und die Lösung.“

Geschrieben habe ich das im Oktober letzten Jahres. Damals erschien es mir als zu emotional und ich habe es in der Entwurfskiste liegen lassen. Doch momentan fühle ich wieder dasselbe – diese behrerrschende Kraft.

Wie unangenehm tief Träume gehen.


Anna Karenina (96–174)

19 03 2009

Folgende Stelle:

„… und ehe Kitty sich besinnen konnte, fühlte sie, dass sie nicht nur in Annas Bann geraten war, sondern dass sie sich auch in sie verliebt hatte, wie sich eben junge Mädchen manchmal in verheiratete Frauen verlieben, die etwas älter sind als sie.“ (S. 110)

Woher WEIß Tolstoj das nur? Das Interessante ist, dass ich solche Stellen lese und dann eine Seite später immer noch daran denke. Diese menschliche Bewegung ist so perfekt beschrieben, man könnte meinen es sei ihm selbst passiert. Nochzumal es eine Regung ist, die einem selten bewusst wird. Das also noch zu dem Punkt, Tolstoj schreibe sehr einfühlsame Liebes-Szenen. Er scheint sich ja in alles einfühlen zu können. Und die Liebesgeschichte ist so spannend, wie es solche Geschichten nunmal zu sein pflegen.

Tolstoj schreibt auch sehr sinnlich. Es gibt eine wunderbare Passage hier darüber, wie sich Kitty in ihrem Ballkleid schön „fühlt“. Das Ganze ist so geschrieben, dass man förmlich ihre Attraktivität zu berühren glaubt. Aber ich gebe zu, ich bin zu faul, diese doch fast eine Seite umfassende Beschreibung hier abzutippen. Dafür dieser kleine Satz, der eben jene Sinnlichkeit im Kleinen sehr gut demonstriert:

„In den entblößten Schultern und Armen spürte sie etwas wie Marmorkälte, ein Gefühl, das sie besonders gern hatte.“ (S. 118)

Seite 150. Zu spannend um etwas schreiben zu können. Es entwickelt sich unaufhaltsam. Ich liebe diese Auswegslosigkeit in Romanen und frage mich, ob unser eigenes Leben auch mehr oder weniger durch uns selbst  bereits festgelegt ist.

Seite 155 „HA!“ Schauer schütteln mich, ich halte das einigermaßen schwere Buch ganz auf Augenhöhe, kralle es, kann kaum atmen „Ha!“ Ok, so viel: Man kennt ja den Ablauf dieser Liebesgeschichten – aber ich schwöre, sie sind alle nur ein Abklatsch dieser. Man muss es sich vorstellen wie Platons Ideen, die den verkümmerten, unvollkommenen realen Dingen als Vorlage dienen.

Herrlich auch diese Stelle. Nebenbei gesagt – schon an dieser Stelle hat sich Tolstoj bei mir einen Platz als Lieblingsschriftsteller sichern können. So leicht kann er ihn nicht mehr verlieren, aber ich hoffe der Rest des Buches gibt auch keinen Anlaß zum Punktabzug.

„Wronskij hatte in dieser Nacht nicht einmal versucht, einzuschlafen. Er saß auf seinem Platz und starrte vor sich hin, oder er musterte die Ein‑ und Aussteigenden, und wenn er schon früher Leute, die ihn nicht kannten, durch die unerschütterliche Ruhe in seinem Gesicht überrascht und gereizt hatte, so schien er jetzt erst recht stolz und selbstbewusst. Er betrachtete die Menschen wie Sachen. Ein nervöser junger Mann, Beamter beim Kreisgericht, der ihm gegenübersaß, begann ihn wegen dieser Miene richtig zu hassen. Der junge Mann bat ihn um Feuer, versuchte ein Gespräch mit ihm anzuknüpfen, stieß ihn sogar an, um ihn fühlen zu lassen, dass er kein Ding, sondern ein Mensch sei, aber Wronskij sah ihn ebenso gleichgültig an wie die Laterne, und der junge Mann schnitt Gesichter, weil er fühlte, dass er unter dem Druck dieser Weigerung, ihn als Menschen anzuerkennen, beinahe seine Selbstbeherrschung verlor.“ (S. 157)

Ist das nicht eine prächtige Beschreibung? Herrlich, diese Situationskomik, einfach grotesk dieses Zusammenspiel der beiden. Dabei ist es ja nur eine kleine Randszenerie, einfach so eingestreut, und doch… es liest sich wie ein kleiner Psychologieexkurs.

Och, schon der erste Teil zu Ende? Naja es gibt ja sechs, wie ich gerade gesehen habe beim Durchblättern. Am liebsten würde ich das Buch gar nicht aus der Hand legen, aber ich möchte auch nicht durch fehlende Aufmerksamkeit etwas von seinem Reiz verpassen.


„Du bist ok“-Bücher

22 10 2008

Sind nicht die Ratgeber die besten, die genau das aussprechen, was wir uns still gedacht haben?

Menschen, die dem Stimme verleihen, das wir selbst in uns tragen, aber aus bestimmten Gründen nicht sagen oder gar ausleben?

Zu dieser Kategorie gehören auch all die Bücher, die uns erklären, warum es gut ist, wenn man nicht alles perfekt macht. Bücher, die behaupten und fragwürdig beweisen, dass man es mit Faulheit viel weiter bringt als mit verbissenem Ehrgeiz. Dahinter mag mehr oder weniger Bewiesenes stecken. Hauptsache ist jedoch, dass sie uns in dem bekräftigen, was wir bis dato mit schlechten Gewissen kaum zugeben wollten. Oder auch die berühmt berüchtigten „Sag Nein, wenn du Nein meinst“-Bücher. Alle nehmen uns die Unsicherheit ab und wir fragen nicht weiter nach vor Erleichterung.

Wieso fällt es uns so schwer aus uns selbst Sicherheit zu schöpfen? In den Büchern steht kaum mehr drin als man sich selbst schleimend vor dem Spiegel sagen kann. Und doch wollen wir ihnen glauben schenken, halten Gedrucktes für wahrer. Das ist wohl die Macht der Medien.

Doch glücklicherweise sind nicht alle so. Es gibt einige Bücher, die es wirklich geschafft haben, mein Denken zu verändern und aus denen ich gelernt habe, mich selbst besser zu verstehen. Bloß wie erkenne ich diese unter der Ratgeberschwemme? Im Notfall: Danach.


Aktionismus – mit oder ohne Kabel

14 10 2008

Habe gestern spontan beschlossen, mir kabellose Kopfhörer zu kaufen, als mir beim Tanzen die rausgerissenen Kabel um die Ohren flogen.

Die Unterstellung, ich würde zu wild tanzen, verbitte ich mir. Schließlich vergesse ich die blöden Dinger auch, wenn ich zum Schrank laufe und es mich dann ruckartig zurückreißt. Naja, besser als wenn es meinen Laptop ruckartig zu Boden reißt … Jedenfalls kann das so nicht weitergehen. Die Situation ist untragbar. Genauso wie die Blogflaute hier.

Also wird sich einiges ändern. Hier und überhaupt. Kleiner Ausblick: Elysisch.com wird der neue Wohnort der Schlüsselszene heißen. Zurzeit bin ich schon fleißig am basteln.

Ansonsten: Studium hat endlich wieder begonnen! Und damit auch wieder mein Leben als Blog-Azubine. Gottseidank verpasst ihr jetzt keine noch so unwichtige Episode aus meinem Leben mehr. Hab mich in der Zwischenzeit schon ziemlich langweilig gefühlt.


Unschuldig?

1 10 2008

Ich weiß nicht, wie man das nennt, was mir immer wieder wiederfährt. Aber sollte es keinen Namen haben, so hat es einen verdient.

Für die morgige Abschiedsfeier im Unternehmen habe ich zwei Packung Schokocrossies gekauft und ins Auto gelegt. Damit ich nicht in Versuchung komme, habe ich sie direkt mit auf die Arbeit genommen und in meiner Schublade versenkt. Natürlich ist es mich doch überkommen und ich dachte mir „Ach, so viele kommen nicht zur Feier und eineinhalb Packungen reichen auch.“ Also hab ich mir eine Tüte (in einer Packung sind ja zwei) stibitzt und als ich sie öffne, sehe ich es: Die ganzen Schokoladenflocken sind verschmolzen und bilden eine große Schokocrossiesstange.Vermutlich durch die Fußbodenheizung im Auto, da ich sie ja im Auto liegen hatte? Wer weiß.
Es war also eine gute Tat die Packung zu öffnen und schon vorher zu naschen, sonst hätte ich mich ein wenig blamiert auf der Verabschiedung. Und zweitens kann ich jetzt alles mit gutem Gewissen auffuttern, schließlich kann man das so keinem mehr anbieten.

Doch diese ganze Verwicklung mutet doch ein wenig wie selbstgeschaffenes Glück an. Natürlich wollte ich die Schokolade von Anfang an haben, aber ohne dass ich deswegen undiszipliniert bin oder extra eine Neue kaufen muss. Und jetzt scheint es so, als hätte da jemand einen genialen Plan ausgetüftelt, an dem ich nicht direkt Schuld bin und mir einfach gegeben, was ich wollte. Es war einfach zu perfekt…und ich werde den Verdacht nicht los….dass es vielleicht doch mein Unterbewusstsein war, dass da unter dem Denkmantel des Vergessens…aber vielleicht sollte man das Glück genießen, wenn es vor einem liegt. Und lieber nicht zu viel nachdenken, woher es kommt.


Arbeitsleben

16 07 2008

Wie kann die Zeit nur immer so schnell vergehn?
Semester:fertig
Urlaub: weg
Job: Start!

Und es ist bereits Mittwoch, doch es fühlt sich an, als wäre man nie weggewesen. Sechs Uhr aufstehen, sich aufhübschen (irgendwie kann ich das nicht ernst nehmen), von Bus zu Zug zu Bus zu Firma rennen. Gelegentlich einen Bus dazwischen auslassen und laufen müssen. Und trotz ALLEM Blasen bekommen. Was ist ALLES? Schuhe einlaufen, Lederdehnspray für unterwegs, fußfreundliche Form. Was kann man denn noch tun? Das frage ich euch verzweifelt, ihr schönen Business-Schuhe. Bei aller Liebe, ich freu mich auf heute abend, wenn ich euch befreit ausziehen und meine muffelig-gelatschten Sportschuhe anziehen kann.

Auch vermisst habe ich die Überbrückungs-Verpflegung. Was isst man, wenn die Kantine immer teurer wird und sich die Speisen im Bereich Geschmack in die Gegenrichtung entwickeln? Salat, Joghurt (klassische Blusenspritzer), Obst und Gemüse, belegte Brote, Tee und Säfte… alles in die kleine Handtasche gepresst und hoffen, dass es satt hält. Glauben ist alles.

Doch was für eine Freude ist das Arbeiten! Keine Gruppenarbeit, ein Projekt für mich allein, ein riesiges Puzzle, vor dem allen anderen graut. In Papierbergen versinken und mit der gesuchten Information auftauchen, Termine vereinbaren und Stunden zählen, Effizienz wohin man schaut. Das ist einfach toll und ein krasser Kontrast zur Studentenarbeitsweise.

In dem Sinne grüße ich euch alle – falls ihr hier überhaupt noch vorbeischaut – und denkt an mich, wenn ihr im Grünen seid

Freundliche Grüße

ⅰ. A. Lysann


Liebe Leser!

7 11 2007

Nun bin ich schon seit 21 Tagen stolzer Besitzer eines Blogs.
Egal ob es um die Gestaltung der Seite, der Randleiste oder der Blogthemen selbst geht – ich habe einiges ausprobiert, reingewurschtelt und wieder rausgeschmissen. Am Ende müsst ihr aber meine Texte lesen! ;)
Deswegen schreibt mir bitte, was für euch noch umständlich ist, ob ihr die Links überhaupt erkennen könnt (ich würde sie gerne unterstreichen, das geht aber leider nicht) oder ob die Hintergundfarbe bei euch ein totes Grau ist und beim Lesen nervt. Ja, auch ihr meine liebe, liebe Familie! Kommentieren geht wirklich leicht, traut euch, damit ich was lernen kann! :)

Danke, dass ihr alle so fleißig mitlest


Kennt ihr das…?

19 10 2007

Selten findet man Texte oder Bilder, die das Gefühl in einem wecken „Mensch, genauso ist es!“. Egal ob dir jemand aus der Seele spricht oder über das tägliche Problem klagt, seine Schlüssel zu finden – es gibt immer Leute, denen es genauso ergeht wie dir. Die morgens nie genügend Zeit haben um im Sitzen ihr Toastbrot zu essen; die ewig lange To-Do-Listen erstellen um dann doch alles eine Woche aufzuschieben oder die manchmal einfach gerne die hetzenden Massen an Bahnhöfen beobachten.

Inwieweit es euch genauso ergeht wie mir, wird sich im Laufe der Wortreihen ergeben. Ihr habt den Schlüssel in der Hand, ich freue mich, wenn ihr ein wenig an meinem Leben teilnehmen wollt.

Willkommen!